Im Folgenden können Sie lustige und zeittypische Ereignisse aus Schallenburg lesen

Für Ergänzungen oder Änderungen bin ich jederzeit offen

 

Anlage von Privatbacköfen

 

Bereits sind in dem Handbuch der Chursächsischen Gesetze Abschrift 1 Band 2 §33 des Mandats vom 18. Feb. 1775 … die Nachteile gerügt, welche durch die Anlage der Privatbacköfen entstehen und die Abstellung derselben empfohlen worden.

Hierunter sind jedoch nicht solche Privatbacköfen zu verstehen, welche da, wo kein der Gemeinde gehöriges Backhaus besteht, von der ganzen Gemeinde benutzt werden, sondern nur solche, welche neben den Ritterguts- und Gemeindebackhäusern bestehen.

Die Abstellung dieser ist von neuem durch eine hohe Regierungsverordnung anempfohlen worden und obschon diejenigen, welche bis jetzt mit obrigkeitlicher Erlaubnis angelegt wurden und gegen deren Anlage in feuerpolizeilicher Hinsicht nichts eingewendet werden kann, in sofern fortbestehen können, als die Eigentümer derselben nicht vorziehen, lieber das Gemeindebackhaus mit zu benutzen so dort doch für die Zukunft schlechterdings kein Privatbackhaus ohne meine Genehmigung mehr angelegt werde und mache ich die Ortsbehörden verantwortlich streng darauf zu halten.

Was die jetzt in den Gemeinden Kleinballhausen, Henschleben,Riethchen, Wenigensömmern und Oberbösa bestehenden Privatbacköfen betrifft, so ist zu berichten, ob solche mit Genehmigung der Obrigkeit angelegt und dergestalt beschaffen sind, daß wegen ihrer Anlage und des Baues derselben keine Feuergefahr zu befürchten steht.

Überdies ist der Windmüller Wohlrabe zu Oberbösa durch das Dorfgericht darüber zu vernehmen, wer ihm die Erlaubnis zur Errichtung eines Backhauses gegeben, da sich daselbst bereits ein Gemeindebackhaus befindet, auch ist zu berichten, ob solcher so eingerichtet worden wie dies im § 33 des Mandats vom 18. Feb. 1775 vorgeschrieben worden und ob überhaupt in feuerpolizeilicher Hinsicht gegen dessen Anlage etwas einzuwenden ist.

 

Straußfurth, den 8. April 1809

der Landrath v. Münchhausen

 Quelle:Stadtarchiv Sömmerda

 

 

Wie mit schulsäumigen Kindern und deren Eltern umgegangen werden soll

 

Bei der kürzlich gehaltenen Schulvisitation hat der Regierungsrath Hahn häufige Beschwerden darüber gehört, daß die Eltern ihre Kinder besonders im Sommer nicht zur Schule anhalten, vorzüglich ist aber der Leichtsinn der Eltern in Kindelbrück in dieser Hinsicht höchst auffallend gewesen …

 

1.Die Ortsbehörde soll den Lehrern ein vollständiges Verzeichnis der schulpflichtigen Kinder zustellen

 

2.Alle 14 Tage soll der Lehrer dem Schulvorstand das Verzeichnis der Kinder übergeben, die mit und ohne Entschuldigung die Schule versäumt haben

 

3.Hierauf soll der Ortsgeistliche die Eltern der aus der Schule gebliebenen Kinder zu sich rufen lassen, ihre Verantwortung hörend, ihre Pflichten ihnen vorhalten und sie mit den Strafen, welche sie treffen würden, wenn sie die Kinder ferner nicht regelmäßig zur Schule schicken, bekannt machen

 

4.Wenn nach 14 Tagen die Kinder wieder auf der Versäumnisliste stehen, sollen die Eltern vor den Schulvorstand gefordert und hier noch einmal gewarnt werden

 

5.Hat dieses in den folgenden 14 Tagen keine Wirkung gebracht, so soll der schuldige Theil der Eltern in Strafe genommen werden

Die niedrigste in 4 bis 16 Groschen nach Massgabe des Vermögens der Schuldigen oder in 6 Stunden Gefängnis in 1 Tag Landarbeit für Gemeindezwecke bestehen und wenn sie in der Folge nichts bewirken sollten, bis zur höchstpolizeilichen Strafe steigen.

Die Strafgelder fallen der Schulkasse zu.

Schreiben vom Landrath (Münchhausen) aus Straußfurth vom 16. Dez. 1819

Quelle:Stadtarchiv Sömmerda

 Ein furchtbares Gewitter

In Schallenburg bey Weißenſee lag eine Frau eben als Wöchnerin mit ihrem kaum einen Tag alten Kinde im Bette, als das Gewitter naht. Der immer lauter rollende Donner erſchreckt die Mutter, und eine unbeſchreibliche Angſt treibt ſie endlich aus dem Bette; mühſam erreicht ſie den Tiſch, legt den Säugling darauf, und in demſelben Augenblick ſchlägt der Blitz durch die Decke der Stube in das eben verlaſſene Bett, das ſofort in hellen Flammen ſteht.Aber Der, der dem Donner befiehlt, rettete Mutter und Kind.

gefunden im "Der Bayerische Volksfreund" von 1834 von Rainer Bachmann

Die wilde Ehe

An das Dorfgericht zu Schallenburg (Nr.4541)

Es ist zu meiner Kenntnis gekommen, daß eine gewisse Friederike Mund aus Cranichborn sich in Schallenburg wieder aufhalten und mit Christian Heinrich Nagel daselbst in wilder Ehe leben soll. Das Dorfgericht wird hierdurch aufgefordert, binnen 8 Tagen mir anzuzeigen, ob diese Anzeige gegründet ist, sich bejahenden Falls zu verantworten, wie dieselbe der Frau Mund den Aufenthalt hat gestatten können und sie eventuell sofort in ihre Heimath zu weisen.

Straußfurt, den 16. Sept. 1839

der königliche Landrath (Unterschrift)

Quelle:Stadtarchiv Sömmerda

 

Fußball in Schallenburg

 

In den 50iger Jahren war Fußballspielen überaus beliebt aber ein Fußball Mangelware.

Der Vater von Claus Schleising hatte ein solches Mangelobjekt. Kein Wunder, dass

Claus ein beliebter Ansprechpartner in Sachen Fußballspiel war.

Das hatte aber auch seinen Preis. Mitspielen konnte nur, wer Eier oder zB. Brotmarken

für den Bäcker abgeben konnte.

Wenn der Vater von Claus rief, musste Claus mit dem Ball nach hause. Bösartigerweise

wurden ihm Eier in die Schuhe gesteckt, die beim Schuhwechsel zertreten wurden. Er

lief dann wie auf Eiern nach hause.

(Nach einer Erzählung von Erhard Knauf)

 

Ein technisches Genie

 

In Schallenburg lebte bis zum Ende der 50iger Jahre ein Herr Niedner.

Von Ihm werden im Dorf erstaunliche Geschichten erzählt.

Er war technisch interessiert und aufgeschlossen für alles Neue.

So hatte er zum Staunen aller eine Drehbank im ersten Stock seines Hauses.

Er betrieb ein Pumpenhaus und konnte so seine Felder mit Unstrutwasser versorgen.

Zu Weihnachten hatte er in seiner Küche ein Karussell aufgebaut, mit dem seine Kinder ihre Runden drehen konnten.

Er besaß eine Filmkamera und drehte Filme über Schallenburg, die aber leider nicht mehr aufzufinden sind.Er hatte eine kleine Firma in Schallenburg und baute nach eigenen Berechnungen eine Stahlbrücke, die er über einen Unstrutarm installierte.

Er hatte als einer der Ersten im Dorf einen Fernsehempfänger.

Bei einer Fußballübertragung wurde der Fernseher ausgeschaltet und jeder Fernsehgast musste einen Tipp abgeben.Erst dann ging es weiter.

Auf Grund der politischen Entwicklung in der DDR zog er es vor, in die Bundesrepublik überzusiedeln.

 

Der sonderbare Dorffunk

 

In den 70iger Jahren hatte Schallenburg wie viele Städte und Dörfer in der DDR einen

sogenannten Dorffunk.Nun ergab es sich, dass die Lautsprecherleitung teilweise

unmittelbar an Häuserwänden entlang führte.

Zwei Jugendliche nutzten die Gelegenheit und klemmten ein Rundfunkgerät an dieses

Kabel.

Zur Ankunft des Schulbusses lief plötzlich über alle Lautsprecher des Dorfes das

Programm des Hessischen Rundfunks. Natürlich war daraufhin die Aufregung groß und

die Quelle der Einspeisung bald gefunden.

Die Eltern der Beiden hatten nichts zu Lachen und einige Probleme, den Vorfall

„auszubügeln“.

 

 

Die Gartenkneipe

 

Ein kreativer Schallenburger, Duckel genannt, besaß einen zentral gelegenen Garten

und hatte eine gute Idee. In einem Wasserfass deponierte er Flaschenbier für alle und

wer wollte, konnte sich da bedienen. Auf einem Blatt Papier wurde das entnommene

Bier angestrichen und später bezahlt.So konnte man zum Beispiel spät Abends nach

der zweiten Schicht noch auf ein Bier in diesen Garten gehen, denn es gab ja keine

Öffnungszeiten.Es wird berichtet, das die Kasse immer gestimmt hat.

 

Die Autoanmeldung

 

Der Sohn einer Schallenburger Familie hatte einen Trabantunfall mit Totalschaden.Nun mußte ein neuer Trabant her.

Die Familie hatte eine „zuteilungsreife“ Wartburganmeldung und sollte diese für einen neuen Trabant „opfern“.

Damit hätte sich der Kauf eines Wartburgs auf Jahre verzögert.Eine Eingabe beim Rat des Bezirkes verhalf dann doch noch zu einem guten Ende:

 

Sie bekam Recht mit folgendem Schreiben vom RAT DES BEZIRKES ERFURT vom 21.4.1987:

Auf Grund Ihrer Eingabe habe ich veranlaßt, daß Ihr Antrag auf Auslieferung eines Pkw Wartburg Limousine durch den VEB Ifa-Vertrieb positiv entschieden wird.

Im PKW-Verkaufsbeirat wurde am 10.3.1987 in Ihrem Sinne eine Entscheidung herbeigeführt.

Sie erhalten vom VEB Ifa-Vertrieb Erfurt kurzfristig die Bestätigung des Auslieferungstermins.

 

Mit sozialistischem Gruß

Swatek