1704

Bis dahin galt in Sömmerda, Schallenburg u.a. umliegenden Orten das schwarzburgische Recht.
Ab 1704 galt das Recht des Kurfürstentums Mainz.

                                    1715

Die Verhandlungen wegen Wiederaufbaues des untergegangenen Ortes Wenigen-Schallenburg werden wieder aufgenommen. Sie scheitern aber an dem Widerspruch der Einwohner von Schallenburg und Wundersleben. In dem Mainzisch-Gothaschen Grenzreceß vom Jahre 1719 wird Wenigenschallenburg alsein unter Gothascher Hoheit gelegenes, größeres Dorf genannt. Die Flur des ehemaligen Dorfes Wenigenschallenburg hat sich zwischen die Orte Schallenburg, Werningshausen und Wundersleben, wohin die Bewohner von Wenigenschallenburg nach
Zerstörung ihres Ortes übersiedelten, vertheilt.

(Churm Arch.)

                                    1748

Der ganze Ort Schallenburg brannte bis auf die Kirche und wenige Häuser des Hanflandes ab.


                1756-1763 (Siebenjähriger Krieg)

Im Sept./Okt. 1757 quartierten sich frz. Kontingente in Sömmerda und den umliegenden Orten ein, verlangten Verpflegung für die Soldaten und  Futter für die Pferde. Ständige Drangsalierungen der Bauern waren an der Tagesordnung. Ständig kamen frz. und mit Ihnen verbündete Truppen durch die Orte um Sömmerda und verlangten Geld, Verpflegung, Futter für die Pferde und Quartiere. 5.01.1759: Drei preußische Musketiere requirieren in Schallenburg drei Pferde und reiten nach Sömmerda. Eines der Pferde fällt schon an der Stadtgrenze tot um. Die Belastungen der Bauern von Schallenburg sind außerordentlich. Lebensmittel und landwirtschaft-liche Güter erfahren eine nie dagewesene Teuerung. Am 3.09.1763 fand auf dem Ranstedter Anger in Sömmerda die kurfürstliche Landeshuldigung statt. Als Vertreter des Mainzer Kurfürsten war der Fürst von Balberg anwesend. Auf einer besonders hergerichteten Tribüne mußten die Geistlichkeit, der Stadtrat, Vertreter der Bürgerschaft von Sömmerda sowie der Einwohner von Schallenburg und Rohrborn den Eid schwören. Wenigensömmern und Tunzenhausen gehörten damals zu Sachsen.

                                                     1766

Die Gemeinde Schallenburg stellt bei der Churmainz´schen Regierung vor, daß sie zwei große Brücken über die Unstrut und eine kleine Brücke über eine Quelle zu unterhalten habe (vermutlich am Felsenkeller) und bittet, daß das Brückengeld auf den beiden großen Brücken von 3 Pfg. auf 6 Pfg. und von der kleinen Brücke auf 2 Pfg. pro Pferd erhöht werden möchte, was genehmigt wird,
aber Remonstrationen des Amtmanns Wagner zu Weißensee hervorruft.

(Churmainz. Arch.)

                                   1770/71

 

Noch im März fiel außergewöhnlich viel Schnee. Imdarauffolgenden Sommer litt das Land unter einer Trockenheit, die zu einer folgenschweren Dürre führte. Es folgte ein strenger Winter mit lang-
anhaltender Kälte. Die Armen mußten viel hungern.Es kam erneut zu einer Teuerung, vor allem für
Holz und Stroh.(Kohle gab es damals noch nicht)

                                     1773

Die Mainzer Regierung ordnete eine Vermessung desRietes an. In diesen Jahren wurden in Sömmerda jährlich vier Märkte abgehalten, die von den Bauern der umliegenden Dörfer besucht wurden.


                                     1787

Bis dahin mußten die Söhne von Schallenburg für sechs Jahre zur militärischen Ausbildung auf den Petersberg nach Erfurt.


                                     1802

Die kurmainzische Oberhoheit über Erfurt, Sömmerda, Schallenburg und Rohrborn erlischt am 6.06.1802. Zwischen Preußen und Frankreich war ein Sondervertrag abgeschlossen worden. Für den Verlust linksrheinischer Gebiete erhielt Preußen u.a. das kurmainzische Erfurt mit seinem Umland. Dazu gehörten auch Schallenburg und Sömmerda. Am 21.08.1802 marschierten preußische Truppen „symbolisch“ in Erfurt ein. Ein Erlaß des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen vom 6. Juni 1802 machte die Schallenburger zu Untertanen des preußischen Königs. Die Polizeigewalt, Steuereinnahmen und Rechtsprechung wurden von Sömmerda ausgeregelt, in schweren Fällen von der Erfurter Landesregierung.

                 Schallenburg wird preußisch

 

Am 22. August Anno 1802 wurde Schallenburg ein preußischer Ort.

Jedoch erst nach dem Jahre 1815 sollte das arme, durch die Kriege von 1806 bis 1815 total erschöpfte Dorf die Segnungen des Preußischen Regiments erfahren und allmählich zu Wohlstand erblühen.

Wenn auch die Ablehnung gegen die neue Oberherrschaft sehr groß war, Thüringen „mußte“ zu Preußen, so merkte doch gerade die Bevölkerung, daß mit der „Preußischen Ordnung“ die Ausbeutung, wie sie vor und während des Dreißigjährigen Krieges bestand, allmählich aufhörte.

Reformation, -Bauernkrieg, alles dies hat dem Volk und vor allem den Bauern und Handwerkern nur noch mehr Ausbeutung durch die Fürsten gebracht.

Dieses änderte sich sehr schnell unter den Preußen, denn selbst die meisten Fürsten wurden wieder Untertanen des „Preußischen Königs“, der es gut verstand, seinen „Untertanen auf die Finger zu klopfen“.

Mit der Einführung der Schulpflicht, Recht und Ordnung für Jedermann, bekamen die Bauern und Handwerker in Schallenburg die neue Ordnung auf eine ganz neue Art zu spüren.

Jedes Schwein, jedes Huhn, jeder Rock und jeder Schuh wurde auf Thaler und Groschen bezahlt, und wo dieses nicht geschah, konnte es rechtens eingeklagt werden.

So zeigt folgende Statistik aus jener Zeit ein Beispiel „Preußischer Ordnung“:

 

Nach der neuesten Statistik sind in Schallenburg vorhanden:

 

595 Einwohner.301 männlichen und 294 weiblichen Geschlechts,

wovon sich 593 zur evangelischen und 2 zur katholischen Confession bekennen.

Dem Alter nach zerfällt die Bevölkerung in 371 Personen über und 224 unter 16 Jahren.

 

An Gebäuden befinden sich in Schallenburg:

 

1 für den Gottesdienst, 1 für den Unterricht, 1 für die Armen- und Krankenpflege, 5 für die Ortspolizei und Gemeindeverwaltung, 104 Privatwohnhäuser, 10 Fabrik- und Mühlengebäude,

188 Ställe, Scheunen und Schuppen.

 Nach der Kirchen- und Schultabelle sind in Schallenburg vorhanden:

 1 ordinierter Prediger der evangelischen Confession.

1 Lehrer, 101 Schulkinder und zwar 59 Knaben und 42 Mädchen, welche sämmtlich der evangelischen Kirche angehören.

 Die Sanitätstabelle weist in Schallenburg nach:

 1 Hebamme

 In der Tabelle der Handels- und Transportgewerbe, der Gast- und Schankwirtschaften etc. sind enthalten:

 3 Kaufleute (Krämer) mit offenen Verkaufsstellen, 2 umherziehende Händler. 1 Gasthof.

1 Schankwirtschaft

 

Die Tabelle der Fabriken und der vorherrschend für den Großhandel beschäftigten Gewerbeanstalten weist nach:

 1 Webstuhl in Leinwand als Nebenbeschäftigung. 1 Oelmühle mit 1 Person als Aufsichtspersonal und 1 männlichen Arbeiter

1 Wassermühle mit 4 Mahlgängen. 1 Meister. 2 Gehülfen und 1 Lehrling. 2 Bierbrauereien mit

2 Personen als Direktionspersonal und 1 männlicher Arbeiter.

 Nach der Tabelle der Handwerker und der vorherrschend für den örtlichen Bedarf beschäftigten Gewerbetreibenden existieren in Schallenburg:

 2 Bäckermeister. 3 Maurergesellen. 1 Zimmergeselle. 1 Stellmachermeister. 2 Hufschmiedemeister. 5 Schuhmachermeister.. 2 Schneidermeister mit 2 Gesellen und 1 Lehrling.1 Tischlermeister.

1 Böttchermeister.

 Die Feldmark von Schallenburg enthält:

 2173 Morgen, darunter 2053 Morgen Ackerland, 97 Morgen Wiesen und Hütung, 17 Morgen Gärten und Obstplantagen.

 Der Viehbestand besteht in:

 63 Pferden, 223 Stück Rindvieh, 646 Stück Schafen, 143 Stück Schweinen über 6 Monate alt, 15 Stück Ferkeln unter 6 Monate, 20 Ziegenböcken und 69 Stück Ziegen.

 

                                   1806-1813


Schlacht bei Jena und Auerstedt. Über Sömmerda, Tunzenhausen und Schallenburg zogen sich preußische Truppen zurück, sie wurden von den Franzosen verfolgt. Mit der Erklärung vom 14. Juli 1807 wurden auch die Schallenburger aus der preußischen Untertanenschaft entlassen. Hesse zitiert aus diesem Erlaß des Königs:

„Der Vater scheidet von den Kindern ! Ich entlasseEuch aller Pflichten gegen mich und mein Haus ...Unsere heißesten Wünsche begleiten Euch zu Eurem neuen Landesherrn !Seid ihm, wie ihr mir waret!
Euer Andenken kann kein Schicksal, keine Macht aus Meinem und der Meinigen Herzen vertilgen“ In Erfurt wurde ein französischer Gouverneur eingesetzt, der im Namen des Kaisers Napoleon dieVerwaltung leitete. Es wurden die Zahlungen der Kriegskontributionen für jede Gemeinde festgelegt, die Beiträge für die Unterhaltung der Truppen bestimmt und außerordentliche Leistungen genannt. Schallenburg konnte 1812 die Verpflegung für 47 Mann Einquartierung und die Versorgung von 53 Pferden nicht beschaffen. Vor und kurz nach der Völkerschlacht bei Leipzig stellten Franzosen ihre Forderungen. Dann quartierten sich preußische Truppen ein und schließlich lagerten in Sömmerda vom 22. Oktober bis zum 5. November 1813 vor dem Neuen Tor in Richtung Schallenburg russische Soldaten, die teilweise noch mit Pfeil und Bogen bewaffnet waren.

                                     1817

 

Schallenburg gehörte seit 1817 zu dem aus ehemals kurmainzischen und sächsischen Gebieten gegründeten Kreis Weißensee mit der gleichnamigen Kreisstadt. An der Spitze der Verwaltung stand ein Landrat. Erst nach dem II. Weltkrieg – im Zusammenhang mit der Gründung der DDR – wurde der Kreis Sömmerda mit der gleichnamigen Kreisstadt gebildet.

                                    1819

             Bericht über die Knopfreparatur 1819

Im Jahre 1819 den 10. Mai wurde nach einer Hauptreparatur

des Turms dieser Knopf vergoldet und wieder aufgesetzt.

Zu dieser Zeit war in Schallenburg die Religion ….

Dokument aus der Zeitkapsel des Kirchturmknopfes anlässlich der Knopföffnung 2017

(Rest konnte nicht gelesen werden)

Schreiben vom Landrath aus Straußfurt vom 16.Dezember (Münchhausen), wie mit schulsäumigen Kindern u. deren Eltern umgegangen werden soll:

„Bei der kürzlich gehaltenen Schulvisitation hat der Regierungsrath Hahn häufige Beschwerden darüber gehört, daß die Eltern ihre Kinder besonders im Sommer nicht zur Schule anhalten, vorzüglich
ist aber der Leichtsinn der Eltern in Kindelbrück in dieser Hinsicht höchst auffallend gewesen.

1. Die Ortsbehörde soll den Lehrern ein vollständiges Verzeichnis der schulpflichtigen Kinder zu stellen.

2. Alle 14 Tage soll der Lehrer dem Schulvorstand das Verzeichnis der Kinder übergeben, die mit u. ohne Entschuldigung die Schule versäumt haben.

3. Hierauf soll der Ortsgeistliche die Eltern der aus der Schule gebliebenen Kinder zu sich rufen lassen, ihre Verantwortung hörend,ihre Versäumnis hörend, ihre Pflichten ihnen vorhalten und sie mit den Strafen, welche sie treffen würden, wenn sie die Kinder ferner nicht regelmäßig zur Schule schicken, bekannt machen.

4. Wenn nach 14 Tagen die Kinder wieder auf der
Versäumnisliste stehen, sollen die Eltern vor den Schulvorstand gefordert und hier noch einmal gewarnt werden.

5.Hat dieses in den folgenden 14 Tagen keine Wir kung gebracht, so soll der schuldige Theil der Eltern in Strafe genommen werden. Die niedrigste in 4 bis 16 Groschen nach Maasgabedes Vermögens der Schuldigen oder in 6 Stunden Gefängnis in 1 Tag Landarbeit für Gemeinde Zweckebestehen und wenn sie in der Folge nichts bewir-
ken sollten, bis zur höchstpolizeilichen Strafe
steigern. Die Strafgelder fallen der Schulkasse ...

                                     1852

Die Straße von Sömmerda nach Schallenburg wurde angelegt. Damals baute man eine befestigte Straßemit beidseitiger Baumbepflanzung und Straßengräben und einen unbefestigten Feldweg an der Unstrutseite. Auffällige Grenzsteine mit einem Wasserunterlauf markierten die Flurgrenzen zwischen Schallenburg und Sömmerda.

                                   1852/53

Der Sömmerdaer Fabrikbesitzer Kronbiegel-Collenbusch kaufte die Landwirtschaft mit weiträumigem Gelände am Ortseingang und ließ dort die Gaststätte „Der Felsenkeller“ erbauen. Die Einweihung fand am 5. September 1853 statt. „Der Felsenkeller“ wurde eines der beliebtesten Wanderziele derSömmerdaer im 19. Jahrhundert und um die vorletzte Jahrhundertwende bis vor den II. Weltkrieg. Im19. Jahrhundert gab es dort auch eine Brauerei, deren Keller in den Berg getrieben worden war und deren Abwasserrohr noch bis zur Verfüllung der Unstrut am Ufer zu sehen war.

 

 

 

                                     1858


Die Ziegeleiwerke Martini wurden in Sömmerda an der Straße nach Schallenburg erbaut. Dort arbeiten immer wieder auch Arbeiter aus Schallenburg.

                                     1863


Bei der Feier zum 50. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig im Sömmerdaer Schützenhaus wurde eine Tafel enthüllt, auf der 56 Namen gefallener Soldaten aus Sömmerda und Schallenburg sowie anderer Orte standen.


                                     1865   

Bericht über die Turmknopferneuerung von 1865

 

Den 16. Juli 1865 wurde nach einer erfolgten Reparatur des Kirchturmdaches der Turmknopf neu angestrichen wieder aufgesetzt.Obschon mehrfach der Wunsch ausgesprochen worden war, den Turm neu mit Schiefer zu decken, so konnte diesem Wunsche nicht willfahrt werden, weil der Turm, im Ganzen genommen noch in gutem Zustande war, und wir daher die geringeren Reparaturkosten den größeren Kosten einer Schieferdeckung vorzogen.Mögen unsere Nachkommen nach ihrem Ermessen tun, was sie für das Beste halten.

Weder Gemeinde noch Kirchenkasse haben überflüssige Geldmittel, so daß wir uns mit dem Gelde sparsam umzugehen uns genötigt sehen.Zudem ist der Turm in dieser jetzigen Gestalt ein altertümliches Gebäude, möge Gott ihn in dieser Gestalt noch lange uns erhalten.Bei Gelegenheit der Abnahme des Turmknopfes fanden sich im Inneren desselben zwei Denkmünzen und zwei Schriftstücke vor,die, nachdem wir davon Kenntnis genommen, wieder hinein getan worden sind, zur Aufbewahrung für kommende Zeiten.

Wenn nun in dem einem dieser Schriftstücke,von dem damaligen Schullehrer Scheibe verfaßt, gesagt ist, daß damals, also im Jahre 1819, in Schallenburg die Religion im Verfall gewesen sei so mag das wohl zu viel gesagt sein, denn wenn damals die Religion wirklich so im Verfall gewesen wäre,wie in dieser Schrift behauptet wird,so müßten sich jetzt an den Nachkommen der damals lebenden hiesigen Einwohner die bösen Früchte der früheren Gottlosigkeit zeigen.

Wir können aber mit gutem Gewissen der hiesigen christlichen Gemeinde das Zeugnis geben,daß die Religion Jesu Christi von der großen Mehrzahl der hiesigen Einwohner hoch geachtet wird.

Wir wollen aber dabei nicht leugnen, daß , wie zu allen Zeiten, es Gute und Böse, Gläubige und Ungläubige, Religiöse und Zerreligiöse, Kirchliche und Unkirchliche gegeben hat, so auch jetzt der Letzteren immer noch etliche auch unter uns sind.Ihre Zahl ist aber so gering, daß wir sie im Vergleich zu den vorhandenen christlich gesinnten und ehrenwerten Mitnachbarn nicht in Anschlag bringen können.

Möge, wenn bei irgend einer Gelegenheit der Turmknopf abermals geöffnet werden sollte,das kommende Geschlecht aus diesen hier geschriebenen Worten erkennen, daß es um unseren jetzigen religiösen und sittlichen Zustand der Gemeinde wohl bestellt ist, wenn auch, wie es nach menschlicher Weise nicht anders sein kann, noch hie und da ein Fehl und ein Makel vorkommt.Wir sprechen alle mit dem Apostel Paulus, Phil. 3, 12-16.

 

Zum Schlusse wollen wir noch erwähnen, Gemeinde, Pfarrer, Schullehrer, Kirchenrat und Ortsvorstand leben miteinander in besten Einvernehmen, dem Worte des Apostels gemäß:

 

So viel an Euch ist,haltet mit Jedermann Frieden !“

 

Wir wünschen ein solches friedliches Verhältniß auch unseren späteren Nachkommen.

 

Schallenburg, den 16.Juli 1865

 

 

Schriftführer der Kirchenrat

 

Schullehrer Kölling Bach

Friedrich Kämmerer

Hansgar Dönicke

Wulf Zierfuß

Ludwig Herzog

 

Namenverzeichnis der jetzigen Schulkinder in Schallenburg

 

(16. Juli 1865)

Knaben                         Mädchen

1 Karl Häßler                  1 Lina Dicke

2 Christian Krauthaus       2 Minna Schollmayer

3 Karl Menhart                3 Therese Schäfer

4 Hermann Ahl                4 Therese Hartung

5 Karl Holzhause              5 Auguste Frech

6 Julius Dönicke               6 Emma Schmidt

7 Auguste Metz                7 Anna John

8 Karl Frohne                   8 Auguste Beck

9 Friedrich Springsgut        9 Therese Knauf

10 Hermann Lindau          10 Charlotte Hartung

11 Louis Kömmling           11 Lina Hofrock

12 Louistant Engelhardt     12 Auguste Engelhardt

13 Robert Schwarzenau      13 Therese Krauthaus

14 Bernhardt Schlegelmilch 14 Minna Hoppe

15 Adolph Dönicke            15 Karoline Knauf

16 August Berg                16 Minna Dönicke

17 Friedrich Hoppe            17 Louise Dönicke

18 Wilhelm John               18 Minna Kleinschmidt

19 Hermann Dicke             19 Friedericke John

20 Karl Knauf                   20 Auguste Kind

21 Julius Engelhardt           21 Minna Metz

22 Otto Mädel                  22 Emilie Knauf

23 Friedrich Koch              23 Karoline Lange

24 Eduard Kämmerer         24 Karoline Becker

25 Wilhelm Jung               25 Auguste Krauthaus

26 Friedrich Holzhause       26 Charlotte Becker

27 Max Markscheffel          27 Anna Schmidt

28 Albert Hoppe               28 Minna Kästner

29 Karl Wolf                    29 Wilhelmine Gäßler

30 Louis Hartung             30 Minna Dressler

31 Gustav Kömmling         31 Auguste Dicke

32 August Holzhause         32 Mina Dönicke

33 Louis Schwarzenau        33 Minna Rechenbach

34 Friedrich Hamann          34 Auguste Hofrock

35 Rudolph Hartung          35 Auguste Lange

36 Karl Hofrock                36 Johanne Schmidt

37 Emil Schuler                37 Minna Engelhardt

38 Friedrich Dönicke          38 Therese Springsgut

39 Gustav Dönicke            39 Selma Hartung

40 Karl Kleinschmidt          40 Minna Dötzel

41 Louis Gebhardt            41 Louise Jung

42 Emil Ahl                      42 Louise Dönicke

43 Gustav Wendel             43 Anna Dönicke

44 Wilhelm Lindau             44 Minna Lange

45 Theodor Wolf               45 Therese Metz

46 Herrmann Werner          46 Henriette Hartung

47 Albert Wittig                 47 Minna Koch

48 August Dicke                48 Karoline Krauthaus

49 Ernst Zierfuß                49 Lina Werner

50 Georg Markscheffel

51 August Hoppe

52 Emil Dönicke

53 TheodorKästner             59 Knaben

54 Wilhelm Knauf               49 Mädchen

55 Richard Daniel              108 Schüler

56 Herrmann Erdmann

57 Otto Kästner

58 Friedrich Wendel

59 Friedrich Dicke

 

Schallenburg,den 16. Juli 1865

 

gez. Kölling, Lehrer

                                     1876              

              Knopferneuerung vom 19. Nov. 1876

 

Schallenburg, den 19. November 1876

 

Heute, also am 19. November 1876, wurde dieser Knopf aufgesetzt.

Bisher war der Turm der einzige in der Umgegend, mit Ziegeln gedeckt und seine Spitze war 27 Fuß hoch.In diesem Spätsommer wurde die Turmspitze durch den Zimmermeister Wilhelm Koch aus Sömmerda um 10 Fuß erhöht und vom Schieferdeckermeister Osterloh aus Buttstädt mit Schiefer gedeckt.Die Arbeit, welche im Ganzen 1500 Mark kostet,fiel zur Zufriedenheit der ganzen Einwohnerschaft aus.

Die Gemeinde Schallenburg hat gegenwärtig 535 Seelen und eine Schule mit 102 Schülern:

45 Knaben und 57 Mädchen mit einem Lehrer.Die Gemeinde Schallenburg, welche früher,direkt unter der Aufsicht des königlichen Landrats Antes in Weißensee stehend, ihre Angelegenheiten selbstständig verwaltet, gehört jetzt nach der am 1.Juli 1874 eingeführten Kreisordnung zugleich mit den Ortschaften Wundersleben, Tunzenhausen, Wenigensömmern und Rohrborn zum Amtsbezirk Tunzenhausen.

Zur Unterhaltung des Amtsbezirks müssen die Einwohner Schallenburgs in diesem Jahr 64 M. und zur Unterhaltung des Kreises 309 M. beisteuern, während sie vorher von solchen Abgaben gar nichts wußten. Während früher die Anmeldungen der hiesigen Geburten, Todesfälle und Eheschließungen beim Ortsgeistlichen geschahen, wurden durch das am 1. Oktober 1874 eingeführte Gesetz die Einwohner unserer Gemeinde gezwungen, diese Anmeldungen bei dem Standesamte in Tunzenhausen zu bewirken, so daß jetzt Jedermann außerhalb des Schattens der Kirche leben und sterben kann.

Doch ist bis heute in unserer Gemeinde noch kein Kind ungetauft, und noch kein Ehepaar ungetraut geblieben,

In folge Erstehung des deutschen Reiches wurden wir mit einer neuen Münzwährung beglückt.

 

Bisher hatten wir folgende Münzen:

a) Silber

1. Zweitalerstück = 6 Mark

2. Eintalerstück = 3 Mark

3. Zehngroschenstück = 1 Mark

4. Fünfgroschenstück = 50 Pfg

5. Zweigutegroschenstück = 25 Pfg

6. Zweisilbergroschenstück = 20 Pfg

7. Einsilbergroschenstück = 10 Pfg

8. Sechspfennigstück = 5 Pfg

 

b)Kupfer

 

1. Vierpfennigstücke

2. Dreipfennigstücke

3. Zweipfennigstücke

4. Einpfennigstücke

 

Ein Zweieinhalbsilbergroschenstück, ein Silbergroschenstück, ein Sechspfennigstück, ein Dreipfennigstück, ein Zweipfenningstück und ein Pfenningstück liegen bei.

Zur Seltenheit sei noch erwähnt, daß im Jahre 1871 eine Überschwemmung der Unstrut eintrat, wie sie seit dem Jahre 1816 nicht wieder vorgekommen ist.Dreizehn Tage lang floß das Wasser über sämtliche Unstrutdämme und vier Wochen lang stand das gesamte Riethfeld unter Wasser, so daß die Einwohner vom Schaden bis heute sich noch nicht ganz wieder erholt haben.Mögen die Nachkommen, welche dieses lesen, nicht wieder von solchem Unglück betroffen werden.

Möge der Segen des Höchsten stets über ihnen walten und sie sich dieses Segens stets würdig machen.

 

Die Ortsbehörde Der Gemeindekirchenrat

 

Wilhelm Hartung, Schulze L. Kalkloesch Pastor

Heinrich Schäfer Schuppe? W. Hartung Schulze

E. Zimmermann Schuppe? Louis Erdmann

L. Kalklösch

Ludwig Herzog

 

(Siegel der Kirche Schallenburg)

 

Verzeichnis der Schüler von 1876

                                   1.Abteilung

Knaben:                              Mädchen:

1 Friedrich Herzog                 1 Minna Keuthe

2 Friedrich Schleising              2 Wilhelmine Wiegand

3 Otto Hartung                     3 Auguste Lüttger

4 Albert Haufe                      4 Natalie Dönicke

5 Rudolf Wendel                    5 Rosalie Thilow

6 Theodor Haufe                   6 Louise Gebhardt

7 Albert Lilie                         7 Pauline Buchsbaum

8 Rudolf Wolf                       8 Emilie Herzog

9 Karl Kästner                       9 Rosali Gneus

10 Gustav Dicke                    10 Selma Hartung

11 Wilhelm Schwarzenau         11 Louise Hoppe

12 Robert Schleising               12 Louise Hartung

13 Robert Hartung                  13 Therese Dicke

14 Karl Nobbe                       14 Selma Werner

15 Theodor Holzhause            15 Karoline Hofrock

16 Hermann Kind                   16 Anna Klee

17 Alwin Lange                      17 Emilie Schäfer

18 Friedrich Nagel                   18 Rosalie Knauf

19 Anna Buchsbaum

20 Auguste Engelhardt

21 Minna Schlegelmilch

22 Friedericke Schade

23 Auguste Kömmling

                           2. Abteilung

 

Knaben:                         Mädchen:

1 Bruno Hartung              1 Minna Wendel

2 Karl Kilian                     2 Anna Krauthaus

3 Otto Lorenz                  3 Therese Lilie

4 August Hahn                4 Lina Kauthe

5 Otto Hobbe                  5 Berta Laudenbach

6 Otto Klee                    6 Emilie Sickel

7 Ernst Holzhause            7 Wilhelmine Hofrock

8 Paul Klöpfel                 8 Emilie Voigtritter

9 August Litzert               9 Hulda Zimmermann

10 Emil Knauf                 10 Therese Stange

11 Otto Schäfer               11 Albertine Schleising

12 Reinhold Vetter            12 Emma Hotze

13 Otto Bennewitz           13 Renade Schlegelmilch

14 Karl Sickel                  14 Minna Engelhardt

15 Friedrich Hofrock         15 Wilhelmine Lange

16 Albert Pattenge           16 Hulda Klöpfel

                                    17 Minna Kutzenbach

                   3. Abteilung

 

Knaben:                            Mädchen:

1 Otto Spitzbarth                1 Rosalie Kind

2 Paul Haufe                      2 Therese Herzog

3 Paul Dornis                     3 Emma Hoppe

4 Franz Buchsbaum            4 Henriette Köhler

5 Karl Harnisch                  5 Minna Lilie

6 Theodor Sickel                6 Adeline Herzog

7 Karl Krauthaus                7 Louise Litzerts

8 Karl Klöpfel                    8 Selma Voigtritter

9 Karl Herzog                    9 Louise Mädel

10 Karl Kömmling             10 Bertha Pattenge

                                     11 Minna Postleb

                                     12 Alma Engelhardt

                                     13 Maria Hartung

                                     14 Therese Nagel

                                     15 Bertha Wetter

                                     16 Bertha Hüntsch

                                     17 Louise Hofrock

                                     18 Ernestine Krämer

  1. Abt. 18 Knab.      23 Mädchen        ges.:41 Kinder

  2. Abt. 16 Knab.      17 Mädchen        ges.:33 Kinder

  3. Abt. 10 Knab.      18 Mädchen        ges.:28 Kinder

 

44 Knaben       48 Mädchen       ges.:102 Kinder

 

 

Schallenburg, den 19. November 1876

 

Kölling / Lehrer

 

 

 

                                     1878


Am 12. Dezember 1878 wurde der Landwirt Voigtritter aus Schallenburg in Weimar mit dem Fallbeil enthauptet. Er war zum Tode durch das Fallbeil verurteilt worden, weil er das 17-jährige
Mädchen Lina Schmidt in der Nähe der Mühle an derGramme, unweit von Kranichborn gelegen, mit einem eisernen Meißel bewußtlos geschlagen hatte. Dann warf er die Bewußtlose in die Gramme und ertränkte sie. Der Bauer hatte die Vormundschaft über das Mädchen und deren Eigentum veruntreut - wie auch immer. Die Kriminalpolizei ermittelte,Voigtritter wurde angeklagt und im Landgericht zu Weimar vom Leben zum Tode befördert. Da es in Weimar keine derartige Richtstätte gab, mußte das Beil und der Scharfrichter in Dresden angefordert werden. Die Stadt wurde angewiesen, 12 Bürger als Zeugen zu bestellen, einen Offizier mit 25 Soldaten zu beordern, die Straßen um das Gerichtsgebäude weiträumig abzusperren und die Sünderglocke der Stadtkirche anzuschlagen. Ein Geistlicher wurde gebeten, den letzten Segen zu spenden.
Die Hinrichtung wird ausführlich von Ernst Leißling in einer Darstellung geschildert.

                                      1879

Die Eisenbahnlinie Erfurt-Sangerhausen wurde in Betrieb genommen. Damit gab es auch für Schallenburg die Möglichkeit, Personen- und Güterverkehr per Bahn zu bewältigen.

                                      1885

Am 26. Mai 1885 ersteigert die Witwe Hofrock, Ernestine geb. Rödiger am königlich preußischem Amtsgericht Sömmerda mit dem Höchstgebot von 2010Mark das Anspännergut Nr. 96 bestehend aus Wohnhaus, Hof, Garten, Pferde- u. Kuhstall, Scheune
mit Hausplan. Ehemaliger Besitzer: vereh. Voigtritter, verw. Junge,Anna Dorothea geb.Schmidt in Schallenburg.
Auslöser der Zwangsversteigerung war ein Antrag  des Lehrers a.D. Wilhelm Kölling u. dessen Ehefrau Hermine, genannt Minna, geb. Dönicke aus
Schallenburg. Grund war eine vollstreckbare Forderung von 191 Mark rückständiger Zinsen einer Hypothek an die Erben der Witwe Voigtritter.